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Wissenschaft

Multitasking in der Psychologie: Grenzen selbst mit Übung

Aktuelle Studien zeigen, dass Multitasking auch bei regelmäßigem Training an seine Grenzen stößt. Psychologen erläutern, wie diese Erkenntnisse unsere Arbeitsweise beeinflussen können.

Felix Becker19. Juni 20263 Min. Lesezeit

In einer Welt, die zunehmend von Technologie und Informationsüberflutung geprägt ist, scheint Multitasking eine unverzichtbare Fähigkeit. Menschen, die in verschiedenen Bereichen tätig sind, beschreiben oft, wie sie mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen, sei es bei der Arbeit oder im Alltag. Doch neue Studien aus der Psychologie legen nahe, dass die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, auch an Grenzen stößt – selbst bei Menschen, die regelmäßig trainieren, um Multitasking-Fähigkeiten zu verbessern.

Forscher, die sich mit den kognitiven Aspekten von Multitasking beschäftigen, erläutern, dass das menschliche Gehirn nicht wirklich für die gleichzeitige Verarbeitung mehrerer Informationsströme ausgelegt ist. Stattdessen handelt es sich oft um schnelle Wechsel zwischen Aufgaben, die mentalen Aufwand erfordern und zu einer erhöhten Fehlerquote führen können. Die Theorie, dass mit Übung auch die Fähigkeit zum Multitasking verbessert wird, wird durch die neuesten Erkenntnisse infrage gestellt.

Studien zeigen, dass übermäßiges Multitasking das Arbeitsergebnis sogar verschlechtern kann, da es die Konzentration beeinträchtigt. Personen in verschiedenen Berufen, die unter Zeitdruck stehen, berichten häufig, dass sie sich in einem Zustand ständiger Ablenkung befinden. Das führt dazu, dass selbst einfache Aufgaben länger dauern oder weniger effizient erledigt werden. Die Forschung hat deutlich gemacht, dass bei der individuellen Verarbeitung von Informationen der Kontext eine entscheidende Rolle spielt. Bei komplexen Aufgaben, die hohes kognitives Engagement erfordern, kann das gleichzeitige Bearbeiten anderer Aufgaben die Leistung merklich beeinträchtigen.

Ein interessanter Befund in diesem Zusammenhang ist das Phänomen der "aufmerksamkeitsbasierten Interferenz". Dabei zeigen Studien, dass das Ausführen von zwei oder mehr kognitiv anspruchsvollen Aufgaben gleichzeitig zu einer geringeren Gesamteffizienz führt. Personen, die versuchen, sich auf mehrere Informationsquellen gleichzeitig zu konzentrieren, erleben häufig, dass ihre Aufmerksamkeit fragmentiert wird. Dies kann nicht nur die Produktivität beeinträchtigen, sondern auch das Gefühl der Überforderung und Stress verstärken.

Die Diskussion über die Grenzen des Multitaskings umfasst auch die neurologischen Grundlagen. Experten erläutern, dass die Gehirnaktivität während des Multitasking-Versuchs stark variieren kann. Die neurowissenschaftliche Forschung hat herausgefunden, dass das Gehirn beim Wechsel zwischen Aufgaben Zeit benötigt, um sich neu zu orientieren und sich auf die nächste Aufgabe einzustellen. Diese sogenannten "Wechselkosten" können signifikant sein. Einige Studien zeigen, dass Menschen bis zu 40 Prozent ihrer produktiven Zeit verlieren, wenn sie ständig zwischen Aufgaben wechseln.

Obwohl viele Menschen glauben, durch Multitasking effizienter zu sein, hat sich gezeigt, dass eine fokussierte Herangehensweise oft zu besseren Ergebnissen führt. Fachleute in der Produktivitätsforschung empfehlen, Aufgaben zu priorisieren und sich jeweils auf eine Sache zu konzentrieren, um die Effizienz zu steigern. Diese Herangehensweisen sind relevant für viele Bereiche, vom Bildungssektor bis hin zur Unternehmenswelt.

Die aktuelle Forschung hat auch Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Teams organisieren und Aufgaben verteilen. Experten, die im Bereich Organisationspsychologie tätig sind, betonen die Bedeutung von klaren Aufgabenstrukturen und die Förderung eines Arbeitsumfelds, in dem Mitarbeiter sich auf eine einzige Aufgabe konzentrieren können, bevor sie zu nächsten übergehen. Workshops und Schulungen zum Thema Zeitmanagement und produktives Arbeiten sind ebenfalls zunehmend gefragt.

Zusätzlich wird in der Literatur die Rolle der Technologie in Bezug auf Multitasking diskutiert. Technologische Hilfsmittel bieten zwar Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, können aber gleichzeitig auch Ablenkung verursachen. Menschen berichten häufig, dass Benachrichtigungen auf ihren Geräten sie aus ihrer Konzentration reißen. Die ständige Erreichbarkeit hat Auswirkungen auf die Fähigkeit der Menschen, Aufgaben in einem konzentrierten Fluss zu erledigen.

Schließlich spielt auch die individuelle Kapazität eine Rolle im Zusammenhang mit Multitasking. Psychologen weisen darauf hin, dass es erhebliche Unterschiede in der Fähigkeit von Menschen gibt, mehrere Aufgaben zu bewältigen. Einige Personen sind möglicherweise besser darin, verschiedene Informationsströme zu verarbeiten, während andere Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Diese Unterschiede sind oft genetisch bedingt, können aber auch durch Umweltfaktoren und Training beeinflusst werden.

Angesichts dieser Erkenntnisse wird deutlich, dass Multitasking eine komplexe Angelegenheit ist. Die Vorstellung, dass wir durch Multitasking effizienter werden, weicht zunehmend einer realistischeren Einsicht, die die Grenzen dieser Fähigkeit anerkennt. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Forschung auf zukünftige Arbeitsmodelle und auf die persönliche Organisation von Aufgaben auswirken wird. Die Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist, könnte uns dazu anregen, ein bewussteres Vorgehen im Umgang mit unseren Aufgaben zu wählen und die Qualität unserer Arbeit zu verbessern.

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