Gernot Grünewald

Woyzeck - Ein Kollektivkörperproblem



Woyzeck ist nicht einer allein, die Woyzecks sind viele geworden und haben sich zugleich in inkohärente Teile gespalten. Woyzeck ist Chor und Einzelner, ein Woyzeck ist fünf Doktoren unterlegen, fünf Woyzecks sind in der Lage eine Marie zu töten. Jeden Moment wechseln die Konstellationen, es gibt keine Rollen, sondern Spieler, die alles sein können: Woyzeck und Marie, Tambourmajor und Doktor. Sie bilden Konstellationen und Verbünde, rotten sich zusammen, um dann als Kollektiv wieder zu zerfallen. Die Geschlechtergrenzen heben sich auf.

Das Fragment Woyzeck wird um eine fragmentarische Spielweise erweitert. Nicht das Subjekt ist leidend, sondern ein variables Kollektiv, weniger der Status einer Figur ist entscheidend, als seine numerische Überlegenheit. Abhängigkeit und Kampf werden als Kollektivproblem begriffen.

Diese Arbeit ist ein Projekt des Hamburger Schauspielstudios Frese.

Gernot Grünewald studierte Schauspiel an der Hochschule „Ernst Busch“ in Berlin und war u. a. am Hamburger Schauspielhaus engagiert. Seit 2007 Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg. 150% Made in Hamburg zeigte 2007 und 2009 seine Projekte „hildegardsgarten“ und „auschwitz – eine reise“.

Mit Lutz Faupel, Judith Goldberg, Humann Hadj, Samantha Hanses, Lara Christine Schmidt, Lena Westphal Regie: Gernot Grünewald

55 Minuten – Schauspiel