ConcEpt 2.1
732km

 

Nach Aristoteles bedingen sich Bewegung und Zeit wechselseitig. Bewegung wird erst durch die Zeit sichtbar; bekommt durch sie erst ihre individuelle Qualität und kann als langsam, gemäßigt oder schnell wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite wird erst durch eine Bewegung bewusst, dass Zeit verstreicht. Hier bestimmt das Tempo der Bewegung die Schnelligkeit der subjektiven Zeit. Zeit ist also zugleich etwas konstantes, fortlaufendes, das keinen Eingriff ermöglicht und gleichzeitig erscheint sie in einem immerzu wechselnden Tempo zu vergehen und erweckt zumindest den Anschein, dass man sie kontrollieren könne.


Das Tanzexperiment „732km“ beschäftigt sich mit dem Phänomen der Zeit und der Wechselbeziehung zur Bewegung. Durch den Einsatz von Weckern, Eier- und Stoppuhren, sowie einer Projektion einer digitalen Uhr, ist die Zeit allgegenwärtig. Es ist ein stetes Spiel von der Zeit beherrscht zu werden und sie gleichzeitig zu beherrschen.


Zeitdehnung, Zeitraffung, Zeitspanne | Erinnerung, Augenblick, Stillstand | Beschleunigung, Alterung, Erschöpfung | Erneuerung, Wiederholung, Zeitlupe |     Mit diesen Zeitphänomenen beschäftigt sich das Experiment,  indem versucht wird, die eigenen Grenzen und die des Publikums zu übertreten. Dabei werden zunächst grundsätzliche Fragen aufgegriffen: Wie teilen wir uns die Zeit ein? In Sekunden, Minuten, Stunden, Tage… und wie messen wir sie? Frühstück, Mittag, Abendbrot? Unser Zeitempfinden ist an den Alltag gebunden, es bleibt jedoch auch immer metaphysisch: Gibt es eine objektiv konstante Zeit? Oder ist Zeit an subjektive Empfindung gebunden?

 

Sabrina-Dunja Sandstede

Svenja Mordhorst