Festivalblog 2012

Ich bau dir ein Schloss aus Sand...

Ja, heute hat das Presseteam wirklich sehr viel zu tun. Wir hechten zwischen den Veranstaltungen hin und her und zwischendurch verfassen wir die Blogeinträge, damit auch alle einen Eindruck von dem Festival haben, die es nicht geschafft haben, da zu sein.

Um 15 Uhr fand die Performance "Ich möchte ein Sandkorn sein" von liaison à faire statt. Die Idee dazu hatte Lena Tempich, in der die Performance waren Lena Tempich und Uli Frank involviert. Da seit dem natur-Festival ganz viel Sand im FKT, dem Freien Kunstterritorium, auf neue liebende Eltern wartete, dachten sich die Künstler_innen, aus den Sandkörnern Zeitzeug_ zu machen, die sich miteinander vereinigen können. Das alles wurde auf eine sehr witzige und unterhaltsame Art umgesetzt. Anbändelnd an unser megaFon-Manifest, vermählten sich Wissenschaft und Performance, in dem man analytisch und wissenschaftlich an die Substanz Sand herangegangen ist. Dabei wurden Sandhäuser zerstört, unter anderem mit Böllern, um zu zeigen, wie vergänglich und unkaputtbar das Ganze doch gleichzeitig sein kann. Es wurde auch mit Redensarten gespielt. "Den Kopf in den Sand stecken" ist negativ konnotiert. Doch auch dort gibt es was Positives. Die Besucher_innen konnten ihren Kopf in ein Sandloch stecken, was sie dann aber sahen, war eben nicht das Eingeengte und Blinde, nein, ihnen wurde eine Möglichkeit gegeben, durch ein anderes Loch rauszugucken und etwas Neues, Anderes zu sehen.

Insgesamt war das alles sehr unterhaltsam und witzig und der ganze Sand als Performance-Ort und die Verschmelzung aus wissenschaftlichen Versuchen und Erkenntnissen mit Performance waren sehenswert.

Euer Deniz Bulan für megaFon 2012




Head Banging in Arts!

Obwohl die Eröffnungssoirée bereits Donnerstag Abend bzw. Nacht war, wollte ich noch unbedingt etwas detaillierter von diesem wundervollen Event bloggen. Alles andere wäre unangemessen.

Dort feierten unsere beiden wirklich tollen Installationen Premiere. Wasted Rita aus Porto/Portugal verschönerte und verstörte die Wände der Rotunde mit ihren scharf gesellschaftsbeobachtenden und kritischen Claims auf grellen, fröhlichem Neonpapier. Sie benutzt berühmte Images und Sätze aus den Medien und dem öffentlichen Diskurs und setzt diese durch die Veränderung mit Hilfe eines Wortes zum Beispiel in einen völlig neuen Kontext, der wirklich zum Nachdenken anregt. Die Installation sprudelt vor Witz, Charme und Intelligenz und irgendwie findet sich jeder in diesen provozierenden Beobachtungen der Welt und Gesellschaft und Popkultur wieder. Sie ist eben ein "agent provocateur, who sometimes likes to write stuff about things."

http://ritabored.blogspot.de/
http://www.wastedrita.com/

Einen Raum davor direkt im atemberaubenden Eingangsbereich der Rotunde fand die Installation "Citation needed" von Tessa Theisen und Kathrin Ebmeier statt. Man kann dazu wirklich nicht viel sagen, ausser das es ein weisser abgewrackter Raum ist mit einem Schreibtisch und einer Schreibtischlampe und ganz vielen Texten an den Wänden, die wie immer sehr kritisch mit allem sind, was normativ ist. Besonders auffällig ist die Ecke in diesem Raum: acht unterschiedliche Fernseher mit Dvd-Players, wo die beiden Performer_innen Einblicke in ihre Interviews zuließen, die sie im Rahmen ihrer hausarbeitiven Installation durchgeführt haben. Mit Hilfe von Kopfhörern und bequemen Sitzkissen kann man sich das Ganze zu Gemüte führen und sein  Weltbild überdenken. Und auch die Texte an den Wänden lesen, unbedingt.

Die musikalischen Leckerchen hatten es wirklich in sich. Erst heizten Weird|Wired der Menge ein. Diese Band kam wirklich gut und und gab mehrere Zugaben und hat sehr lange gespielt. Es war feinste Gitarrenmusik ohne Gesang, die Musiker waren sehr konzentriert am Werk, was wirklich schön anzusehen war, weil sie die Musik wirklich fühlten. Danach kam DJ Rasmus an die Mischpulte und legte sehr abwechslungsreiche Musik auf, eine Mischung  aus Funk, Electro, und als Lady Gaga mit "Bad Romance" aufgelegt, konnte sich keine_r der angetrunkenen und fröhlichen Menschen mehr halten und es wurde tatsächlich zu Lady Gaga getanzt, in sehr expressiver Art und Weise von so manchem.
http://www.facebook.com/weirdwiredmusic



Um drei Uhr war dann Schicht im Schacht. Toll war auch, das eben die ganze Zeit vor der Rotunde Menschen zusammenkamen, redeten und wieder
auseinandergingen. Hoffentlich mit einem dicken fetten lächeln im Gesicht.

So far so good
Deniz Bulan für megaFon 2012





Anna Kpok - das zeitzeug_ste Ereignis in BO-Town

Diesmal habe ich die große Ehre über das Künstler_innen-Kollektiv "Anna Kpok" zu schreiben. Es ist schwer, Anna Kpok zu beschreiben, aber gerade das macht den Reiz dieser Formation aus.
Als wirklich subversives und intelligentes Kollektiv, das von Performances über Installationen bis zu Theaterstücken vieles passieren lässt, war es natürlich sonnenklar, ihnen eine Plattform für ihre begeisternde und zum Nachdenken auffordernde Kunst zu geben.
Anna Kpok wird mit drei Installationen und Performances vertreten sein.

Die erste Installation ist ein analoges Gästebuch. Anna Kpok fordert vorbeigehende Menschen auf, sich auf schwarzen Flächen unter der bekannten Brücke am Ende des Bermudadreiecks zu verewigen, etwas zu schreiben, zu malen, Kunst zu schaffen oder eben vorbeizugehen und zu lesen. Und siehe da, die Wände sind voll mit Bildern, Unsinnigem, Sinnigem, Kritischem. Es lohnt sich, da mal vorbeizugehen und sich das anzugucken. Mehr davon auf www.annakpok.de

Die zweite Installation unterstützt die Aktion "Dead Drops" von Aram Bartholl. Idee dabei ist, ein anonymes, offline, peer to peer file-sharing Network in der Öffentlichkeit aufzubauen. Parolen wie "Uncloud your files today" oder "Free your data to the public domain in cement" zeigen, wie intelligent und kritisch diese Aktion ist. Anna Kpok hat an der Rotunde, am GEW Haus gegenüber des Festivalzentrum und an der Viktorias./Ecke Haus der Geschichte des Ruhrgebiets Dropdeads installiert. Geht vorbei und werdet teil dieser großartigen Bewegung.

Die dritte Performance findet am 16.06.2012 kurz vor der Abschlussparty an der Rotunde und Umgebung statt. Die Performance heisst "Die Tonne" und ich will es spannend halten und nichts verraten, aber natürlich steckt da wieder sehr viel subversives und kritisches hinter, so wie man Anna Kpok. Sie machen es eben nicht allen recht und wollen mit ihrer Kunst einfach aufrütteln, auffordern zum Reflektieren, ohne dabei Lösungen und Wege vorzugeben, weil es den Künstler_innen dieses Kollektivs sehr wichtig ist, dass die Menschen eigenständig nachdenken und reflektieren, um so Mauern und Strukturen einzureissen und neue Diskurse zu schaffen.

Ich freue mich sehr darauf, diese Performance und die Installationen zu erfahren.

Fühlt euch gezeitzeug_t


Euer Deniz Bulan für megaFon 2012

Kreide Gästebuch unter Bochum Eins

Dead Drops

Die Tonne

Donnerstag, 14. Juni

"Gift kommt von Begabung!"

Und das hat sich heute bei unserem Eröffnungsstück bewahrheitet. Orenda Fail begeistern mit ihren Texten und Songs das Bochumer Publikum. Trotz strahlendem Wetter und Fußball kamen zahlreiche Festivalgäste in die Rotunde um sich die Szenencollage "Allein die Dosis macht das Gift" anzusehen. Angeheitert vom Eröffnungssekt und mit großer Erwartungsfreude dröppelten um 20 Uhr zahlreiche Theaterfreunde in die Rotunde. So viele, dass zusätzliche Sitzgelegenheiten herangeschafft werden mussten. Rotunde: kühl. Stimmung: HOT!
Das schlichte Bühnenbild aus Spanischer Wand, Sofa, Perserteppich und Granny-Lampe passt perfekt in die rustikale Umgebung. Und auch die Mädels von Orenda Fail und ihr Musiker fühlen sich sichtlich wohl. Eine kritische Reflexion über den Theaterzuschauer eröffnet den gelungenen Abend. Zwar schauen einige noch kritisch, kriegen doch alle Klischee-Zuschauer ihr Fett weg. Aber schnell nimmt das Stück Fahrt auf und erste Lacher begleiten die "Kochshow" in der "typisch deutsche Kost" angepriesen wird. Szenenapplaus für das Gericht "Blut und Bohnen". Immer wieder gibt es Applaus für Slapstick-Einlagen, gelungene Texte und einen unerwarteten Konfetti-Regen in den Zuschauerraum. Nach anregenden, lustigen, tänzerischen, musikalischen, kritischen, nachdenklich stimmenden und wie angekündigt exakten 63 Minuten gibt es tosenden Applaus und Standing Ovations für Orenda Fail. Im Namen des Wahnsinns: es war schön!

Wir sind begeistert von einem ersten wunderschönen Eröffnungsabend, mit tollem, begeisterungsfähigem, gut gelauntem Publikum. Der Abend geht weiter mit WeirdIWired und DJ Rasmus! Lasst es euch gut gehen, party on, Megafon-People!

Raffaela Phannavong für megaFon 2012

Rotunde

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